Nepal. Erinnerungen an eine unvergessliche Zeit.

Noch immer gibt es keinen verlässlichen Überblick über die Opfer und Zerstörung, die das Erdbeben in Nepal hinterlassen hat. Noch viel schlimmer ist jedoch, dass die Organisation der Hilfsmaßnahmen nur schleppend anläuft. Das überrascht mich allerdings nicht. Wie in vielen anderen armen Ländern auch, ist das Geld und damit auch die Organisation für eventuell eintretende Katastrophen eher knapp, auch wenn Erdbeben als eine potenzielle Gefahr in Nepal natürlich bekannt waren.

Wer helfen und spenden möchte:
Auf tagesschau.de gibt es eine Liste diverser Hilfsorganisationen.

Die Ereignisse dieser Tage haben mich dazu gebracht in meinem Tagebuch zu stöbern, das ich während meiner Asien-Reise im Jahr 2006 geführt habe. Dieses unglaublich komplizierte Land mit seinen wunderbar unkomplizierten Menschen hat sich tief in mein Herz gebohrt, auch neun Jahre später sind meine Erinnerungen an Nepal noch sehr stark.

Hier sind einige Fotos, Tonaufnahmen und Tagebucheinträge aus dem April 2006. Von unserer (ich war mit meinem guten Freund Patrick unterwegs) Ankunft mit dem Zug und Bus aus Indien, die ersten Dschungel-Tage, die wir mit Elefanten verbracht hatten, die überraschenden Eindrücke aus Kathmandu, der Revolution im Land und einer unvergesslichen Wanderung durch das Annapurna-Gebiet im Himalaya.

Auf dem Rücken einer nepalesischen Elefantendame

Elefanten-Waschtag
Punamkalis Rüssel
Riding the Elefant
Es wird gestapft
Elefantentaxi
Elefantenbanane

Kathmandu. Eine Stadt wie keine andere

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Kathmandu bei Nacht
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Kinder sammeln Kaulquappen
Der Taxifahrer
Die nachdenkliche Frau im Zug
Unterwegs mit dem Motorrad
Gespräche im Zug.

Tagebucheintrag vom 05.04.2006: Nachdem wir in den letzten Tagen über 1600 KM zurückgelegt haben, waren wir froh mal wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und als wir in das nächtliche Kathmandu fuhren überkam uns ein Gefühl von Faszination. (...)

Wir können es eigentlich immernoch nicht glauben wie sehr „westlich“ (das ist jetzt nicht negativ gemeint) diese Stadt ist. Frauen scheinen hier einen viel hˆheren Stellenwert zu genieflen als in Indien und auch der Anblick von weiblichen buddhistischen Mˆnchen ist keine Seltenheit. Viele der Bars und Shops werden von Frauen gef¸hrt und auch der Umgang in der ÷ffentlichkeit ist viel freier und offener als in Indien. Das alles macht f¸r einen westlichen Touristen vieles „heimischer“. Uns kommt es auch so vor als w‰re hier alles viel l‰ssiger und ruhiger und vorallem sauberer als in Indien. Das kann allerdings auch daran liegen dass wir uns mittlerweile an die „Umst‰nde“ gewˆhnt haben. Nach einem kurzen Nachtausflug auf eine Dachterasse in der Innenstadt gestern abend, machten wir uns heute auf den Weg in die Stadt, um einem Kontakt nachzugehen, der uns in Indien angeboten wurde, um eventuell f¸r eine gewisse Zeit in Kathmandu zu arbeiten. Somit landeten wir in einer Privatschule f¸r die Kinder aller Botschaftler in Kathmandu und wir stellten schnell fest dass unsere Hilfe dort nicht wirklich gebraucht wird. Wir wurden trotzdem nett herumgef¸hrt und bekamen sogar einen sehr stylischen Besucherpass von dem Securitypersonal. Der Besuch war trotzdem nicht umsonst, denn eine der Lehrerinnen gab uns einige Adressen und Telefonnummern von Schulen und sozialen Einrichtungen, die Volunteers brauchen. Mal schauen was sich noch ergibt. Da ab Donnerstag ein Streik beginnt, m¸ssen wir uns Morgen entscheiden ob wir den Trek diese Woche oder n‰chste Woche beginnen, denn ab Donnerstag wird es f¸r 4 Tage lang nicht mˆglich sein die Stadt zu verlassen. Schon allein aus Sicherheitsgr¸nden ist es ratsam in der Stadt zu bleiben. Ich habe in meinem kompletten Leben noch nie so eine Milit‰rpr‰senz erlebt, die hier zum Alltag gehˆrt. Trotzalledem hat die Stadt ein eigentlich unbeschreibbares Leben und einen Charme, der f¸r mich bis jetzt zu einem der Hˆhepunkte der Reise gehˆrt.

Die unbezwungenen Gipfel

Gegen den Wind
Muktinath
Ruinendorf
Gebetsflaggen
Annapurnapause
Eselkarawane
Hundestolz
Himalaya Selfie
Annapurna-Unterkunft
Sprungfoto
Im Cockpit
Vertrauensvolles Flugzeug
Annapurna Pause
Tagebucheintrag vom 28.04.2006: Nach nunmehr 11 Tagen in den Bergen und etwa 140 Km Fuflmarsch sind wir froh nun wieder in Kathmandu zu sein und keine schneebedeckten Gipfel mehr sehen zu müssen. Es war verdammt anstrengend, ab und zu ziemlich gefährlich aber dafür wunderschön. Irgendwas zwischen Spaziergang und Todespilgerei. (...)

Als Berliner/Brandenburger ist man ja die Hˆhe nicht unbedingt gewohnt und bei dem Anblick des Berliner Fernsehturms wird einem auch schon einmal schwindelig. Die hˆchste nat¸rliche Erhebung in der beheimaten Gegend d¸rfte die 100 Meter-Grenze eigentlich nicht ¸berschreiten und nach einem Ausflug in den Harz f¸hlt man sich schon fast so als h‰tte man den Mount Everest bestiegen.

Nach unserem Trekk im indischen Himalaya wollten wir nun hˆher hinaus und entschieden uns den Annapurna Trekk zu machen, der in der N‰he von Pokhara beginnt. Das war auch schon das erste Problem. Es war uns durchaus bewusst dass sich die Situation in Pokhara nicht von der in Kathmandu unterscheiden w¸rde, d.h. es fuhr kein Bus, Jeep oder Taxi irgendwo hin. Somit mussten wir erstmal einen Tag laufen um in das Naturschutzgebiet zu kommen, was ziemlich angenehm war, da auch die lokale Bevˆlkerung von Dorf zu Dorf lief und somit ein reger Menschenverkehr auf den Strassen herrschte. Nach einem 700 Meter Aufstieg in ein kleines Bergdorf auf knapp 2000m Hˆhe genossen wir die ersten Blicke, ¸bernachteten dort und machten uns am kommenden Morgen auf den Weg. Als wir die ersten 6000er sahen konnten wir es kaum glauben. Noch nie zuvor haben wir solche Berge gesehen und auch Tage sp‰ter war der Anblick unbeschreiblich.

Die ersten beiden Tage spielte das Wetter leider nicht wirklich mit aber daf¸r konnten wir nun endlich einmal unsere in Indien erworbenen Regenponchos testen… Zum Gl¸ck wurde das Wetter besser je weiter wir in die Bergregionen vordrangen und was meiner Meinung nach das beeindruckenste ist, ist die sich st‰ndig wandelnde Natur. Man durchl‰uft diverse Vegetationszonen und auch der Anblick der Menschen ‰ndert sich fast von Dorf zu Dorf, da in Richtung Norden der tibetische Einfluss immer st‰rker wird. Irgendwann erreicht man auch das Gebiet, dass von Maoisten beherrscht wird und man kann an H‰usern so nette Slogans wie „The Power comes from the barrel of the gun“ oder „Nepalese Communism is the best“ lesen. Uns wurde gesagt dass man 1000 Rupees pro Person an die Maoisten zahlen m¸sse wenn man auf sie trifft, uns wurde diese Kommunistensteuer gl¸cklicherweise ersparrt, da wir einfach keine trafen. Uns wurde sogar gesagt dass man eine Quittung von ihnen ausgestellt bekommt und dass es ab und zu vorkommt dass die Papierrolle f¸r die Quittungen zur Neige geht man somit auch von der Zahlung befreit ist. Ob das stimmt oder nicht kˆnnen wir nicht sagen, aber die Vorstellung allein ist schon ziemlich lustig.

Normalerweise ist dieser Trekk unter Touristen ziemlich beliebt (64000 Touristen machen diesen Trekk im Jahr). Aufgrund der politschen Situation waren wir allerdings so ziemlich die einzigen Leute die diesen Trekk machten, was sehr angenehm war. Wir hatten auch wieder das Gl¸ck ab und zu nicht in touristischen Guesthouses unterzukommen, sondern die Nacht bei „normalen“ Menschen zu verbringen und Einblicke in einige Familien in kleinen Bergdˆrfern zu bekommen. Mich hat dabei besonders die Einfachheit und die Zufriedenheit der Menschen beeindruckt. Zur gleichen Zeit hat mich auch beeindruckt wie sehr sich die Menschen mit der politischen Situation in ihrem Land auseinandersetzen, obwohl man eigentlich davon ausgehen kann, dass die Politik die Bergdˆrfer sowieso nicht erreicht. Als wir in den Bergen unterwegs waren hielt der Streik ja immernoch an und man konnte durchaus merken dass viele Leute beunruhgt waren, da vorallem der Essenvorrat vieler Familien nur f¸r einen Monat ausreicht. Die Versorgungswege wurden knapp und somit stiegen die Preise f¸r Lebensmittel teilweise um das zehnfache, was nicht sofort auf die Geldbˆrse der Touristen umgelegt wurde, sondern von den Leuten selbst getragen wurde. Aufgrund dessen f¸hlte ich mich ab und zu schon ein wenig merkw¸rdig, da letztendlich die Leute darunter leiden wenn man als Tourist auch noch die Reserven knapper werden l‰sst. Aber zum Gl¸ck hat sich die Situation ja nun verbessert…

Nach etwa sieben Tagen in den Bergen merkten wir wie sich unser Akku so langsam leerte und entschieden uns vor dem finalen Aufstieg auf 5400m einen Tag Pause einzulegen. Da sich unsere letzte Hˆhe auf 3800m befand, war es sowieso ratsam einen Tag in dieser Hˆhe zu verbringen um dem Kˆrper Zeit zu gegen um sich an den geringen Sauerstoffgehalt der Luft zu gewˆhnen.

in muktinath angekommen wollten wir, wie schon gesagt, einen tag pause machen um uns auf die ¸berquerung des passes vorzubereiten. vorbereitet waren wir auch letztendlich wirklich gut. mit all dem wasser was wir den ganzen tag ¸ber getrunken haben um unser blut zu verfl¸ssigen, h‰tte man auch ein reisfeld bew‰ssern kˆnnen. leider hat sich der tag ruhe in einen tag der frustration verwandelt, weil mein kˆrper nach all den tagen der erschˆpfung eine erhohlung erzwungen hat. mit fieber und so wollte ich ja immer noch auf den berg, hab dann aber eingesehen, dass es keinen sinn macht noch weiter zu gehen. mehrere tagesm‰rsche von jeder ‰rtzlichen versorgung entfernt geht man das risiko dort oben zu sterben auch nur ungern ein. schade schade. war schon eine herrausvorderung die sich einem nicht so schnell wieder bietet. wir sind dann ein paar dˆrfer zur¸ck gewandert um von jomsom mit dem flugzeug zur¸ck nach pokhara zu fliegen. wieder in eine klapperkiste der besonderen art steigen und die aussicht geniessen. ist schon ein wenig depremierend wenn man so klar vor augen hat, dass der flug zur¸ck 20 minuten gedauert hat und wir f¸r den weg zu fuss etwa 10 tage gebraucht haben.
in pokhara angekommen mussten wir noch einen tag warten um mit dem n‰chsten bus wieder nach kathmandu fahren zu kˆnnen. auf dem weg konnte ich auch ein ausgebranntes buswrack sehen was noch von vorrangegangenen ¸bergriffen der maoisten auf touristenbusse zeugte. g‰nsehaut.

Zeugen der Revolution

Kathmandu 052
Kathmandu 044
Kathmandu 008
Kathmandu 005
Tagebucheintrag vom 06.04.2006: Wir wurden gerade von einem amerikanischen Paar zum Essen eingeladen und haben uns ¸ber die Situation in Kathmandu aufklären lassen. Er ist Journalist und sie ist K¸nstlerin und beide Leben hier seit 1994. (...)

Wir wurden gerade von einem amerikanischen Paar zum Essen eingeladen und haben uns ¸ber die Situation in Kathmandu aufkl‰ren lassen. Er ist Journalist und sie ist K¸nstlerin und beide Leben hier seit 1994. Somit kann man annehmen dass die Informationen ziemlich vertrauensvoll sind. Er meinte dass heute bereits Strassenschlachten stattfanden und etwa 200 Studenten festgenommen wurden. In den n‰chsten Stunden wird wahrscheinlich die Internetverbindung im ganzen Land von der Regierung lahmgelegt werden und er meinte, dass sogar Telefonate ins Ausland unterbrochen werden kˆnnen. Das allein zeigt schon wie ernst die Situation ist (wenn es denn wirklich dazu kommt). Er sprach heute mit Studenten und Demonstranten und die meinten wiederum dass in dem Stadtviertel, indem wir uns befinden, wahrscheinlich nicht viel passieren wird, er meinte jedoch dass es besser sei sich von den groflen Strassen fernzuhalten und dass man immer ein Auge offen halten sollte. Er wird Morgen mit einer schusssicheren Weste und einem Presseausweis mitten drin sein. Die Proteste und die seiner Meinung nach grˆssten Ausschreitungen seit den letzen paar Jahren drehen sich um die generelle politische Situation in Nepal. In der letzten Zeit kam es wohl zu immer grˆfleren ‹bergriffen der Polizei, die zunehmend versucht mit Gewalt die Protestbewegung, die f¸r ein offeneres und demokratisches Nepal k‰mpft, zu ersticken. In dem kommenden vier Tagen soll es nach ihm ziemlich starke Auseinandersetzungen und Straflenschlachten zwischen der Polizei/Armee und den Protestierenden geben.
Er selbst ist ein ziemlich revolution‰rer Mensch, der Nepal als faschistisches Regime bezeichnet und vorallem die Rolle der USA dabei ziemlich hervorhebt. F¸r ihn ist die Bushregierung eine terroristische Organisation und er sagte: „Nepal was the first Place to go for Powell after 9/11 and he did’nt come here to smoke Hash, if you know what I mean.“ Er kritisierte dabei die Herangehensweise der Bushregierung Frieden durch Krieg zu sichern, bzw. zu erreichen. Wenn wir auf die Strafle gehen wollen und selbst Fotos machen wollen, sollen wir die Kamera immer verstecken und uns vorallem von jedem Polizisten und Soldaten fernhalten, meinte er, denn es kam schon ˆfter vor dass Leuten die Kamera abgenommen und zerstˆrt wurde. Und wenn man von der Polizei festgenommen und verhˆrt wird kommt man dabei nicht ohne Blessuren davon, meinte er. Er habe auch schon gehˆrt dass Leute gar nicht mehr zur¸ckkamen.

Tagebucheintrag vom 28.04.2006: Nach drei Wochen landesweitem Streik, Demonstrationen, Straßenschlachten, tausenden Festnahmen und dutzenden Toten, hat sich der König Nepals Dienstagnacht endlich dazu entschlossen die Macht wieder an das Parlament zu übergeben, welches heute das erste Mal seit 16 Jahren zusammentrifft um eine Regierung zu bilden und ein Staatsoberhaupt zu ernennen. (...)

Nat¸rlich sind wir ¸ber diese Entwicklung sehr froh, da es nicht nur direkt unser Leben als Tourist verbessert (man kann endlich wieder mit dem Bus fahren), sondern es den Menschen hier ein Gef¸hl von „wahrer?“ Demokratie gibt. Es ist f¸r viele Menschen sicherlich kaum vorstelltbar was das f¸r ein Gef¸hl sein muss wenn man als Volk das erreichen kann was die Nepalesen erreicht haben. Sie haben durch friedliche Proteste und einer unglaublichen Solidarit‰t die politische Macht in ihre H‰nden zur¸ckgeholt. Es mag sein dass ich das hier nun alles zu euphorisch betrachte, aber es beeindruckt und erfreut mich sehr, denn das Land und die Menschen haben einfach mehr Gerechtigkeit verdient. Die Leute scheinen voller Hoffnung zu sein und ich hoffe dass die Hoffnung auch zur Realit‰t wird. In den Zeiten des Streiks stiegen die Preise f¸r Lebensmittel teilweise um das zehnfache und zu den Hˆhepunkten der Proteste wurden die Ausgangssperren auf eine unmenschliche Zeit von 07:00 Uhr Morgens bis 02:00 Morgens ausgeweitet. Es blieben den Menschen also gerade einmal 5 Stunden in der Nacht um offiziell das Haus verlassen zu d¸rfen. In den drei Wochen des Streiks gingen die meisten Leute nat¸rlich nicht zur Arbeit, was auch einen groflen finanziellen Verlust bedeutete, der besonders bei steigenden Preisen schmerzt. Aus diesem Grund haben viele Hausbesitzer auf Mietzahlungen verzichtet und Lebensmittel wurden untereinander geteilt.

Erst nachdem sich die Wirtschaftselite Nepals dem Streik anschloss, in der Hoffnung durch eine Demokratie auch wirtschaftlich liberaler und offener zu werden und modernere Strukturen im Land zu etablieren, war der Druck auf den Kˆnig grofl genug. Auch internationale Statements der EU, der USA und anderen L‰ndern, sowie der wirklich beeindruckenden Pr‰senz der UN ist wahrscheinlich die nun ziemlich rasche und ¸berraschende ƒnderung der Situation Nepals zu verdanken. Die Menschen haben wirklich eine grofle Menge an Verlusten hingenommen um diese Ver‰nderung herbeizuf¸hren und ich kann nur hoffen dass sich nun alles zum besseren f¸r die Menschen ‰ndert. Durch den Streik wurde nat¸rlich auch die Wirtschaft geschw‰cht und bis sich die Preise f¸r Lebensmittel wieder normalisieren, kann sicherlich einige Zeit vergehen, aber letztendlich ist das Gef¸hl wirklich etwas ver‰ndert zu haben und zu erleben dass man Dinge wirklich ver‰ndern kann, f¸r kein Geld der Welt zu haben.

Dass der kˆnig verlauten lies die macht der bevˆlkerung wieder zu ¸bertragen hat die maoisten nat¸rlich nicht zufriedengestellt. dennoch wurde einem dreimonatigen waffenstillstand zugestimmt, der seit gestern andauert. leider wurden gestern etwa 1000 maoisten die sich in einer grundschule versammelt hatten von einem hubschrauber aus beschossen. was das f¸r folgen hat ist noch nicht abzusehen. die busse fahren zumindest wieder und die versorgung mit lebensmitteln wurde wieder aufgenommen. die ausschreitungen in den strassen kathmandus dauern noch weiter an. angeheizt durch die ¸bertriebene brutalit‰t der polizeikr‰fte und besonders durch einen vorfall der sich vorgestern ereignet hat: eine 22 j‰hrige frau wurde von 5 soldaten vergewaltigt und als sie danach nicht mehr zu bewusstsein kam, erschossen. in den daraus resultierenden auschreitungen wurden weitere 6 menschen erschossen.

Vor einiger Zeit habe ich von einer von Touristen organisierten Demonstration hier in Kathmandu erfahren. Als wir in den Bergen waren, haben wir doch tats‰chlich vier der Demonstranten getroffen und diese waren sogar noch Deutsche. Aus Berlin – Kreuzberg und Prenzlauer Berg. Deren Geschichte wollte ich noch loswerden, da sie es meiner Meinung nach Wert ist erz‰hlt zu werden:

Eigentlich war alles vorher angek¸ndigt, es gab anscheinend sogar eine Bekanntmachung in der Zeitung am Tag zuvor. Leider haben wir davon nichts mitbekommen, bzw haben wir davon nur am Tag danach gehˆrt. Jedenfalls erkl‰rt sich dadurch auch die Ausgangssperre die an jenem Tag f¸r Touristen verhangen wurde. Als sich die Gruppe von Touristen mit Flugbl‰ttern hier im Touristenviertel traf und das Megafon gez¸ckt wurde um einige S‰tze loszuwerden, kam innerhalb von Sekunden die Polizei auf die Touristen zu und hinderte sie daran weiterzumachen. Allerdings trat dieser Fall noch nie zuvor in Nepal ein und somit wusste die Polizei nicht was sie machen sollte. W‰ren die Touristen keine Touristen, sondern Nepalesen gewesen, w‰re die Entscheidung nicht sehr schwer gefallen: Kn¸ppel raus und draufgehauen. Fertig. Doch was w¸rde das f¸r ein Bild in den Internationalen Medien geben? Somit standen dutzende Polizisten neun internationalen Demonstranten aus Deutschland, Israel, England und Russland gegeb¸ber und guckten und berieten. Nachdem einige Minuten mit Wortgefechten und Gerangel verbracht wurden, entschied sich die Polizei die neun DemonstrantInnen festzunehmen und auf die Polizeitwache zu bringen. Diese Situation trat wie gesagt zu ersten Mal ein und niemand wusste wirklich was zu tun war. Als den Touristen dann erz‰hlt wurde dass die Strafe f¸r eine illegale Demonstration w‰hrend einer Ausgangssperre drei Monate Haft bedeutet, wurde allen nat¸rlich anders, aber da ja wie gesagt diese Situation noch nie vorher eintrat, mussten Leute aus hˆheren Positionen Entscheidungen treffen. Somit entschied der Innenminister Nepals, dass die Leute am gleiche Tag gehen kˆnnen. Das war sicherlich eine Erleichterung f¸r die demonstrierenden Touristen. Bis diese Entscheidung bekannt gegeben wurde verging nat¸rlich eine Menge Zeit und diese wurde mit einem Tischtennistournier in der Polizeiwache und einer Menge Tee, sowie vielen Gespr‰chen ¸ber die Situation Nepals ¸berbr¸ckt. Das war jedoch noch nicht alles. Der Botschaftler des jeweiligen Landes der Touristen sollte in der Polizeiwache erscheinen, um irgendwelche Formalien zu erledigen, welche die Freilassung der Touristen bewirken sollte. Leider war in der deutschen Botschaft niemand zu erreichen. Nach mehreren vergeblichen Anrufen in der deutschen Botschaft konnte man die Polizei ¸berzeugen diesen Job einem anderen Botschaftler zu ¸bertragen. Somit befreite der englische Botschafter in Kathmandu vier deutsche Touristen, die in den darauffolgenden Tagen in Kathmandu wie Volkshelden behandelt wurden.

Was n‰mlich niemand mitbekam war, dass auch die lokale Presse bei der Demo anwesend war und somit schm¸ckten die Gesichter der ausl‰ndischen Demonstranten an den kommenden Tagen einige Seiten der lokalen, sowie auch der landesweiten Zeitung. Dies hatte nat¸rlich einen groflen Wiedererkennungswert zur Folge und f¸hrte zu nichtendenwollenden Danksagungen der lokalen Bevˆlkerung, sowie zu einigen Einladungen zum Essen.

Was f¸r eine schˆne Geschichte… Achso, ich muss noch sagen, dass ich mir nicht sicher bin, dass alles genauso wirklich stattgefunden hat, da die Gespr‰che mit den vier BerlinerInnen nur einige Minuten andauerten…

So, und nun noch zu uns:

Wie geht es weiter? Einerseits bin ich traurig Nepal bald zu verlassen, da mir durch diese ganzen Ereignisse hier die Menschen und das Land ans Herz gewachsen sind. Ich werde ab jetzt auf jedenfall immer ein Auge auf dieses Land werfen und versuchen auf dem Laufenden zu bleiben was die ganze politische Situation hier angeht. Dieses Gef¸hl habe ich Indien gegen¸ber nicht, obwohl ich dort genauso viel Zeit verbracht habe. Aber wie schon gesagt: solche Ereignisse mitzuerleben ‰ndert und bewirkt eine Menge. Auch in einem selbst…

Trotzdem freue ich mich nat¸rlich darauf weiterzureisen. Vorallem da es als n‰chstes in eines der wohl schˆnsten L‰nder der Welt geht: Thailand. Wir werden voraussichtlich am Montag mit dem Bus zur Grenze fahren, um von dort aus mit dem Zug nach Kalkutta (Indien) zu gelangen. Das wird sicherlich eine 2 oder 3-Tagesreise werden, die auch ziemlich viel Kraft kosten wird, aber die Fl¸ge von Kathmandu nach Bangkok sind einfach zu teuer (200 Euro pro Person). Trotz Bus und Zugfahrt kˆnnen wir fast 220 Euro sparen wenn wir von Kalkutta aus fliegen, da es dort Fl¸ge nach Bangkok ab 80 USD gibt. Hoffentlich kann man in diesem Fall dem Lonely Planet trauen 😉

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