Tunneldesign, Rassismusbekämpfung, Einsamkeit. Drei Empfehlungen zum Hinhören II

Drei neue Hörempfehlungen (hier gibt’s mehr). Die Geschichte des Berliner Fluchttunnels ‚Tunnel 57′, Daryl Davis‘ Obsession ‚extreme racism‘, und ein Stück über die Erkenntnis, dass Einsamkeit Menschen tötet. Man sollte sich Zeit für jedes Stück nehmen. Es empfiehlt sich übrigens auch die Stücke mit etwas (zeitlichem) Abstand zu hören.

Das Gesellenstück: Tunnel 57

Das Stück “Tunnel 57″ beginnt mit einer 5-Punkte-Liste über die Berliner Mauer. “Five steps to keep in a defecting population.” 99 Percent Invisible ist ein Design-Podcast. Moderator Roman Mars macht aber gleich deutlich, dass es hier nicht um das Design der Mauer geht. Es geht viel mehr um eine Design-, bzw. Ingenieurs-Leistung, die die Berliner Mauer umgehen oder besser gesagt untergraben sollte. Die Geschichte des Fluchthelfers und Tunnelbauers Ralph Kabisch ist absolut elektrisierend. Die Besonderheit des Stückes liegt einerseits in der ausgewogenen, detailverliebten Erzählweise und Produktion, anderseits fasziniert mich die neugierige und dramaturgisch hervorragend umgesetzte und beinahe filmisch wirkende Machart des Stücks. Die Geschichte des Fluchttunnels Tunnel 57, der vom Keller einer ehemaligen Bäckerei auf der Westseite unter der Berliner Mauer hindurch zu einem Toilettenhaus im Osten führte und 57 Menschen die Flucht in nach West-Berlin ermöglichte.

Ralph and his friends may not have had expertise in tunnel-digging, but they did have enough gumption—and love for their friends and family stuck in the East—to reach the other side. Thanks to them, 57 people escaped into free West Berlin.

► „Tunnel 57“ / 99 Percent Invisible

Mein Freund, der Ku-Klux-Klan

Die wie immer kurz gehaltene Podcast-Beschreibung der Love + Radio Macher ist in diesem Fall nur ein Satz lang: „Music is Daryl Davis‘ profession, but extreme racism is his obsession.“ Daryl Davis beschreibt in den knapp 40 Minuten seine im ersten Augenblick unverständliche Freundschaft zu KKK-Mitgliedern. Wie kann ein schwarzer Blues- und Country-Musiker eine Freundschaft zu weißen Hardcore-Rassisten aufbauen? Davis erzählt aus seinem eindrucksvollen Leben und zeigt Wege auf, wie der Kampf gegen Rassismus beschritten werden kann. Die minimalistische Machart des Stücks „The Silver Dollar“ gibt Davis viel Raum um Seine Geschichte zu erzählen und überlässt es dem Hörer, das Erzählte einzuordnen.

Music is Daryl Davis‘ profession, but extreme racism is his obsession.

► „The Silver Dollar“ / Love + Radio

Einsamkeit kann töten

Dänemark gehört zu den reichsten Ländern der Welt. Trotzdem fallen immer wieder Menschen durch das enge „soziale Netz“. Sie vereinsamen und sterben. Allein. Die Leichen bleiben oft unentdeckt. Für Wochen. Oder sogar Monate. Die Fotografin Tina Enghoff hat die Wohnungen der einsamen Toten fotografiert, kurz nachdem die Leichen entfernt wurden. Die zweite Hälfte des Stücks „When you’re lonely, life is very long“ fokussiert sich auf diese Geschichten. Bedrückend, beklemmend und nah an den Eindrücken der Fotografin Tina Enghoff.

In Denmark when someone dies alone, and no-one claims the body, the authorities put an ad in the newspaper calling for Possible Relatives. This is also the title of a photo-book by Danish photographer Tina Enghoff. She tells us about the pictures she took of the apartments after the dead were removed. Some of these bodies went undiscovered for months.

► „When you’re lonely, life is very long“ / Benjamin Walkers Theorie Of Everything

Foto (s.o.): CC-BY Flickr/AbhijeetRane

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