Systemfehler. Der erste Monat danach. Rückblick und wie es weiter geht.

Vor knapp einem Monat ging der Systemfehler online. Da mich in den vergangenen Wochen immer wieder Fragen per Email und Twitter erreicht haben und das Interesse an dem Podcast-Projekt erstaunlich groß zu sein scheint, will ich das einmonatige Podcastjubiläum nutzen um auf ein paar Fragen und Anmerkungen einzugehen. In den folgenden Zeilen erwartet euch also ein Rückblick auf das, was bisher geschah und ein Ausblick auf das, was hoffentlich kommen wird.

Ein Sandkasten mit Laborfunktion und ungewissem Ausgang
Der Systemfehler ist nicht mein erster Podcast aber er stellt mein erstes narratives und aufwändig produziertes Podcastprojekt dar, mit dem ich in erster Linie spielen und experimentieren will, inwiefern sich verschiedene auditive Erzähl- und Produktionsformen in eine informative und unterhaltsame Sendung packen lassen, deren Inhalt, Präsentation und Form von mir vorab nicht definiert wird. Sie soll sich vielmehr aus der Geschichte und dem intuitiven/improvisierten Prozess während der Produktion ergeben. Ach ja: Es geht nicht nur um Bugs sondern um Fehler an sich, in all ihrer wunderbaren Vielschichtigkeit.

Aufwand. Spaß. Freiheit.
Ja, ein Podcast in so einer Weise zu produzieren kostet viel Zeit. Zwar habe ich die genaue Arbeitszeit für die erste Folge nicht festgehalten, aber ich denke 10 komplette Arbeitstage wären realistisch, vorausgesetzt man ist geübt oder Profi. Also zwei Wochen. Das beinhaltet Recherche, das Führen von Interviews, das Schreiben eines Skripts und die Umsetzung der Produktion. Die kreative Vorarbeit für das Finden einer passenden Idee oder Geschichte würde ich mal außen vor lassen und das Erstellen einer passenden Webseite klammere ich an dieser Stelle ebenfalls aus. Das klingt nach viel Aufwand. Ist es auch. Aber das unabhängige und komplett eigenständige kreative Arbeiten ist absolut erfüllend und macht einfach riesig Spaß. Mir zumindest.


iTunes sagt, der Systemfehler sei „neu und beachtenswert“.

Ich wollte Feedback. Ich bekam Feedback. Und mehr.
Das Feedback zur ersten Folge war überragend und ist unglaublich motivierend. Ich mache nun schon seit einigen Jahren professionell Radio aber die Anzahl und Qualität der Anmerkungen und Kommentare, die mich im Kommentarfeld, via Twitter und per Mail erreicht haben, ist unvergleichlich. Danke dafür! Ich werde einige Anmerkungen z.B. die zur Länge der Musik in der nächsten Folge bedenken. Aber nicht nur das schmeichelhafte Feedback und die ehrliche Kritik an dem Stück hat mich überrascht, auch die grundsätzliche Verbreitung habe ich so nicht erwartet. In den vergangenen Wochen hat die Sendung knapp 500 Gigabyte Traffic erzeugt, sie ist war für mehrere Wochen in den Top 10 und Top 100 der deutschen iTunes-Podcast-Charts und wurde in vielen Blogs, Foren und Online-Magazinen erwähnt, besprochen und empfohlen. Außerdem hat mich Tim Pritlove in seine Sendung „Der Lautsprecher“ eingeladen um über den Systemfehler und über Radio und Podcasts im Allgemeinen zu sprechen.

Den „Erfolg“ messen. Geht das überhaupt?
Eine genaue Zahl der Downloads oder Hörer kann ich leider nicht nennen, da es (noch) kein verlässliches Tool zum Erfassen und Messen der Podcastnutzung gibt. Das wird sich hoffentlich mit der neuen Version des wunderbaren (und wunderbar komplizierten) Podlove Podcast Publisher ändern, den ich für den Systemfehler einsetze. Aber ein paar beeindruckende Zahlen kann ich euch trotzdem nennen. Die Podcast-Feed-Datei, die zur MP3-Version der ersten Folge führt, wurde im Dezember 2014 knapp 160.000 Mal aufgerufen. Auf Platz zwei liegt der Feed zur M4A-Datei, die 42.000 Mal aufgerufen wurde. Für den Feed zur OGG-Version der ersten Podcastausgabe wurden 13.000 Abrufe in den Logfiles des Servers registriert. Diese enorm großen Zahlen sind allerdings absolute Augenwischerei, da sie nichts über einen möglichen Download aussagen. Downloads kann man – wenn überhaupt – per Trafficanalyse abstrahieren. Bei einer durchschnittlichen Dateigröße von 120 MB wären das bei einem gesamten monatlichen Audiotraffic von 500 Gigabyte mehr oder weniger genau 4166 komplette Downloads, bzw. komplett übertragene Dateien (Streams wären da ebenfalls enthalten). Aber: Aus diesen Zahlen tatsächliche Hörer abzuleiten wäre wiederum ein Fehler bzw. Augenwischerei. Ob jemand einen heruntergeladenen Podcast tatsächlich gehört hat, weiß letztendlich nur derjenige, der ihn gehört hat. Trotzdem sind die Zahlen meiner Meinung nach wirklich beachtlich. Vor allem deshalb, weil ich in der Podcaster-Szene weder gut vernetzt oder bekannt bin und ich bis auf ein paar Mails an ein, zwei mögliche Multiplikatoren keine „Werbung“ für mein neues Projekt gemacht habe.

Die Sache mit dem Geld.
Für eine vergleichbare Produktion im Radio kann man als Autor mit einem geringen vierstelligen Betrag als Brutto-Honorar rechnen – das variiert natürlich je nach Format, Sender, Sendeplatz, Sendungslänge etc. Und wie sieht es mit der Monetarisierung eines aufwändig produzierten Podcasts aus? Ich habe mich nicht um einen potenziellen Sponsor bemüht (was ich auch weiterhin nicht tue), ich habe auch nicht explizit um Spenden gebeten (was ich wohl besser tun sollte). Trotzdem kamen ein paar Euro mit dem Micropaymentdienst Flattr (45 Euro) und Direktüberweisungen/Spenden via Paypal (120 Euro) zusammen. Insgesamt also etwa 165 Euro brutto, die mir geschenkt wurden, ohne dass ich danach gefragt habe. Danke an alle Spender/Spenderinnen! Verglichen mit einer Auftragsarbeit im Radio und gemessen an dem Aufwand, ist die Gesamtsumme natürlich desaströs und gleicht absoluter Selbstausbeutung, keine Frage. Für einen völlig unbekannten Podcast, der ohne große Ankündigung aus dem Nichts erscheint, ist das allerdings ganz ordentlich, finde ich. Es ist auch spannend zu beobachten ob Spenden in Zukunft auch für ältere Folgen reinkommen, theoretisch wäre das sogar ein möglicher Vorteil gegenüber eines einmaligen Honorars eines Radiosenders. Apropos Radio: Glücklicherweise hat sich eine Redaktion bei mir gemeldet, die die erste Sendung „Die Relaismotte“ in leicht veränderter Form, bzw. auf 30 Minuten gekürzt senden möchte. Damit wäre die nächste Systemfehler-Episode also problemlos querfinanziert. Ob das in Zukunft immer so klappen wird, ist fraglich und deshalb wäre es natürlich wünschenswert wenn die Einnahmen via Paypal und Flattr wachsen würden. Das ist potenziell natürlich nur dann möglich, wenn regelmäßig neue Folgen erscheinen und die Verbreitung/Bekanntheit des Podcasts wächst. Das wiederum ist nur dann möglich wenn die Qualität der Produktion vergleichbar mit der ersten Folge bleibt oder – so wie ich es mir wünsche – von Folge zu Folge zunimmt.

Wann kommt endlich die nächste Folge?
Ich will ja! Und ich werde ja auch! Meine aktuelle Ideen-Liste ist lang genug um mindestens 20 Folgen umzusetzen. Die Podcast-Verortung im Fehleruniversum ist inhaltlich beinahe unerschöpflich und meiner Meinung nach auch endlos faszinierend. Die Materialsammlung aus meinen bisherigen Radiojahren ist ebenfalls noch voller ungehobener Schätze und Geschichten, die kein Radio-Redakteur bisher mit mir umsetzen wollte ;). Wenn da nur nicht dieses Zeit-Geld-Arbeit-Freizeit-Dilemma wäre! Die nächste Systemfehler-Folge ist jedenfalls schon in Arbeit. Ich werde einem (bisher ungelösten) Rätsel nachgehen. Es geht um die Geschichte einer unbekannten, einzigartigen und unglaublich faszinierenden, aber fehlerhaften Musikaufnahme, die aus einem weltweit berühmten Tonstudio stammt und von Künstler, Techniker und Produzent als fehlerhaft eingestuft und deshalb in den Müll geworfen wurde. Und wie der Zufall es so will, bin ich der einzige Mensch, der genau diese eine Aufnahme „besitzt“. Ihr merkt schon: es wird rätselhaft und geheimnisvoll. Wann die Episode fertig sein wird, kann ich noch nicht sagen, denn sie wird wahrscheinlich im Rahmen eines Projekts entstehen, an dem gerade im Radiobüro getüftelt wird. Mehr dazu bald an anderer Stelle.

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