Google Music und der Tod. Oder: Wie sich der Selbstmord von Mark Linkous an meinem Frühstückstisch offenbarte.

Meinen Morgen starte ich gewöhnlich mit Google Music. Oft lasse ich die App über die Musikauswahl entscheiden. Die „Auf gut Glück!“-Radio Funktion trifft erstaunlich häufig meinen Geschmack und immer wieder frage ich mich, nach welchen Kriterien der Algorithmus die Songs auswählt. Er orientiert sich an meinem Hörverhalten, klar. Songs, die ich positive bewerte, merkt sich die Software und spielt Musik ähnlicher Künstler, Genres, usw. Youtube-Videos, die ich schaue oder in Google Plus teile oder mit einem +1 versehe, fallen ebenfalls in die Bewertung. Soweit so klar.

Heute aber hat mich Google wirklich überrascht. Der erste Song, den mir die automatisierte Musik-Auswahl präsentierte, war „Weird Sisters“ von Sparklehorse. Genre-mäßig trifft das durchaus meinen Geschmack. Aber zum Aufwachen, am Frühstückstisch? Der Song beginnt mit einer verstimmt klingenden Gitarre, darauf folgt der Einsatz eines gebrechlich klingenden Schlagzeugs. Passend zur musikalischen Stimmung und ganz Sparklehorse-typisch depressiv beginnt das Stück mit der Zeile: „The parasites will love you when you’re dead.“ Soll so tatsächlich mein Tag beginnen, Google? Ok. Aber warum nun dieser Song, genau jetzt, heute?

Nun wird’s spannend: Ein kurzer Blick in die Wikipedia verrät, dass die Geschichte von Sparklehorse im Jahr 2010 ein tragisches Ende nahm. Im Alter von 47 Jahren begang Sänger Mark Linkous Selbstmord. Er hatte sich erschossen. Und zwar am 6. März 2010. Also genau heute vor 4 Jahren. Wow. Diese Kriterien zur Musikauswahl hätte ich Google nicht zugetraut. Nach dieser Konstellation könnte man also vermuten, dass Google Musikern kleine Denkmäler mit der Musikauswahl setzt, die entfernt an die Doodles der Google-Suche erinnern. Diese Herangehensweise zur Vermittlung von Musik kennt man sonst nur aus dem Musikjournalismus.

Ich wünsche mir, dass genau das noch ausgebaut wird. Eine in die Musikapp integrierte Option für Zusatzinfos zum Song, die mir zum einen die Zufalls-Auswahl transparent machen und mir außerdem die Hintergründe zu Song, Künstler, etc. erklären. Die Daten sollten mit Googles Knowledge Graph ja vorhanden sein.

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