Digitales Denkmal für Jerry Garcia. Musikauswahl für das Radiofeuilleton im Deutschlandradio Kultur am 25.01.2014

Wie wäre es mit einer musikalischen Zeitreise und einem Sprung in die 70er Jahre – Und zwar mit Jerry Garcia? Der einstige Bandleader der Grateful Dead bekam kürzlich eine neue Webseite. Das klingt im ersten Augenblick unspektakulär, entpuppt sich aber als ein echter Kulturschatz mit vielen Zeitdokumenten und Konzertmitschnitten.

Am 9. August 1995 starb Jerome John García, der Kopf der US-Rockgruppe Grateful Dead. Im Januar 2014 wurde seine digitale Gedenkstätte aufpoliert und steht nun als Prototyp eines digitalen Künstler-Denkmals im Netz. Besucher können sich durch hunderte Bilder und Konzertaufnahmen klicken und noch einmal mit Jerry Garcia und den Grateful Dead auf Tour gehen. Zum Beispiel in der Barton Hall der Cornell University im US-Bundesstaat New York. Dort spielte Garcia und seine Grateful Dead am 8. Mai 1977.

6 Dollar und 50 Cent kostete ein Ticket für dieses Konzert, insgesamt spielte die Band spielte zwei Sets mit insgesamt 20 Stücken, inklusive einer Zugabe. Neben Jerry Garcia standen an diesem Abend noch sechs weitere Künstler auf der Bühne. Woher ich das weiß? Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf der Welt war, ich war bei dem Konzert dabei. Gestern Abend. So fühlt es sich zumindest an, denn auf jerrygarcia.com kann man das komplette musikalische Schaffen des Kaliforniers nacherleben. Und wer damals wirklich dabei war, z.B. am 8. Juni 1974 in Oakland, der kann man sich online mit anderen Fans vernetzen, die ebenfalls vor Ort waren.

Das Archiv bietet dabei nicht nur Liveaufnahmen der Songs, sondern auch all das, was drumherum geschah. Original Tickets, die Menschenmenge, die Soundchecks und die vielen kleinen Geschichten auf der Bühne. Genau das macht das virtuelle Archiv von Jerry Garcia so eindrucksvoll. Ungeschnittene, authentische Aufnahmen, zum Großteil von Fans fabriziert. Die Grateful Dead ermutigten ihre Fans sehr früh zum Mitschneiden ihrer Konzerte. Sie waren Pioniere des Filesharings lange bevor es das Internet gab. Ohne diesen offenen Umgang gäbe es die vielen Zeitdokumente heute nicht.

Darunter sind Portraits von über 20 Bands, in denen Garcia aktiv war, 10 komplette Touren mit den Grateful Dead von 1970 bis 1993, hunderte Fotos und Tausende Tonaufnahmen. Insgesamt sollen es knapp 5000 Stunden Musik sein, die das Archiv kostenlos bereitstellt.

Foto (s.o.): Screenshot www.jerrygarcia.com

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


9 − 7 =