Der Klangforscher Nils Frahm. Musikauswahl für Radiofeuilleton im Deutschlandradio Kultur vom 23.11.2013

Nils Frahm

Was haben eine Klobürste, ein gebrochener Daumen und ein Klavier gemeinsam? Sie sind Bestandteil der Klangforschung eines jungen Berliner Komponisten. Nils Frahm. In dieser Woche erschien sein siebtes Soloalbum, ein Livealbum. Spaces heißt es. Räume also. Ein Tribut an die verschiedenen Konzerthallen, die jedes Stück ihren eigenen Klang aufdrücken. Passend aber auch, da in Frahms Musik viel Raum ist, der mit Klang und Gefühl befüllt wird.

Sphärische Synthesizer Klänge treffen auf zum Teil komponiertes, dann wieder improvisertes Klavierspiel. Neoklassik im Elektropop-Gewandt. „Says“ von Nils Frahm. Das Stück besteht wie viele Frahms Stücke aus sich wiederholenden Fragmenten und Miniaturen, die sich aufbäumen und plötzlich wieder verschwinden, eine Symbiose eingehen mit unterschiedlichsten Klängen. Die kommen mal vom Klavier, mal vom verspielten Synthesizer.

In einem Stück kommen sogar zwei Klobürsten zum Einsatz, mit denen Frahms die Saiten eines Flügels bearbeitet. Das wirkt allerdings nie albern, selbst wenn man es live erlebt. Denn: Die Melancholie und emotionale Ernsthaftigkeit schwebt in und über all seinen Stücken und erzeugt beim Hören tatsächlich kraftvolle Bilder. Vorausgesetzt man lässt sich auf die Musik ein. Nils Frahm muss man zuhören, nicht nebenbei hören. Absolut zu empfehlen für Musikliebhaber und Klangentdecker, die sich wie der Musiker selbst ständig auf die Suche nach dem perfekten Sound machen. Und das ist es auch was die Musik von Nils Frahm auszeichnet. Sie klingt, atmet, lebt in ihrer Erscheinung. Kurz gesagt: sie berührt.

Und dazu gesellen sich immer wieder sympatische Geschichten. Zum Beispiel die eines gebrochenen Daumens. Eigentlich ein Alptraum für jeden Pianisten. Nicht so für Nils Frahm. Ärzte rieten ihm zwar, die Hände vom Klavier zu lassen. Aber er komponierte stattdessen ein Album für 9 Finger und spielte es noch mit seiner vergipsten Hand ein. Als Geschenk als seine Fans. Geschadet hat es ihm offensichtlich nicht, wie man bei „Hammers“ hören kann. Da scheinen alle Finger und Daumen ganz hervorragend zu funktionieren.

Klavierklänge treffen bei Nils Frahm auf elektronische Sounds, mal minimalistisch, mal ausufernd fantastisch – einige der Stücke wären mit anderer Instrumentierung durchaus auch gute Rock und Pop Songs. Aber bitte nennt es nicht Indie-Klassik! Das schreibt der Guardian voller Lob für Nils Frahm. Spaces erschien beim Londoner Label Erased Tapes, auf CD, Vinyl und als Download.

Foto (s.o.): Flickr/Rosa Menkmann (CC-BY)

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